
Am Körbersee stehen im Sommer Menschen mit Kameras. Das Wasser liegt in einer Mulde zwischen Grasflanken, dahinter der Widderstein, und wenn kein Wind geht, steht der Berg zweimal da.
2017 wurde der Körbersee bei der ORF Sendung „9 Plätze, 9 Schätze“ zum schönsten Platz Österreichs gewählt. Es ist eines dieser Bilder, die man vielleicht schon kennt, bevor man überhaupt hier war.
Was man auf dem Foto nicht sieht: Es gibt drei Wege dorthin. Und jeder macht aus demselben Ziel einen anderen Tag.
Der kurze Weg
Zwei Stunden fünfundvierzig, 262 Höhenmeter. Von den Saloberliften über den Salobersattel, zuerst breiter Schotterweg, zum Schluss ein schmaler Pfad zwischen Felsblöcken.
Rund um die Alpe Körb wird schnell klar, dass diese Landschaft nicht nur schön aussieht, sondern bis heute bewirtschaftet wird. Im Sommer verbringen hier rund 300 bis 400 Jungrinder und etwa zehn Milchkühe ihre Zeit auf der Alp.
Der See kommt früh. Man hat Zeit, sitzen zu bleiben. Zurück geht es am Kalbelesee vorbei — zwei Seen an einem Vormittag.
Der lange Weg
Vier Stunden fünf, 484 Höhenmeter. Diese Variante zeigt den See erst nach zwei Dritteln. Vorher: Witelealpe, Kalbelesee, die Simmelkapelle, der Falkenweg. Man geht durch die ganze Hochfläche, bevor das Ziel auftaucht. Wer den See nur fotografieren will, nimmt den kurzen Weg. Wer wissen will, wo er liegt, nimmt diesen.
Der große Weg
Sechs Stunden zehn, 742 Höhenmeter — und die einzige der drei Varianten, die direkt vor der Haustür des Berghauses beginnt und dort auch endet. Über Nesslegg und die Witelealpe hinauf, dann der ganze Bogen übers Auenfeld zum Körbersee, zurück über Batzen- und Fellealpe.
Dreimal derselbe see. Dreimal ein anderer TAg.
Dreimal derselbe See. Dreimal ein anderer Tag. Das ist das Prinzip der Indie Trails in einem einzigen Beispiel: Die Strecke steht nicht fest, sondern die Woche. Wie weit man an einem Tag geht, entscheidet man morgens beim Frühstück. Nach Wetter, Beinen, Lust und Zeit.